Mai 19, 2026
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Sekundärprävention beim Schlaganfall: Ezetimib in der Neurologie

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Sekundärprävention beim Schlaganfall: Ezetimib in der Neurologie

Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Unterbrechung der Blutversorgung im Gehirn, die zu einer Schädigung von Nervenzellen führt. Dies kann zu schwerwiegenden Folgen wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Gedächtnisverlust führen. In Deutschland erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall, wodurch er zu einer der häufigsten Todesursachen und der häufigsten Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter zählt (Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft, 2021). Eine wichtige Maßnahme zur Vermeidung von Schlaganfällen ist die Sekundärprävention, die darauf abzielt, das Risiko für einen erneuten Schlaganfall zu reduzieren. In diesem Zusammenhang spielt auch der Wirkstoff Ezetimib eine wichtige Rolle in der Neurologie.

Was ist Ezetimib?

Ezetimib ist ein Lipidsenker, der zur Gruppe der Cholesterin-Absorptionshemmer gehört. Es wird zur Behandlung von erhöhten Cholesterinwerten eingesetzt und hemmt die Aufnahme von Cholesterin aus der Nahrung im Darm. Dadurch wird der Cholesterinspiegel im Blut gesenkt und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle reduziert (Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 2021).

Ezetimib in der Sekundärprävention beim Schlaganfall

Studien haben gezeigt, dass ein erhöhter Cholesterinspiegel ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfälle ist. Daher ist es wichtig, diesen zu senken, um das Risiko für einen erneuten Schlaganfall zu reduzieren. In der Sekundärprävention beim Schlaganfall spielt Ezetimib eine wichtige Rolle, da es gezielt den Cholesterinspiegel senkt und somit das Risiko für einen erneuten Schlaganfall verringert.

Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit dem Namen IMPROVE-IT untersuchte die Wirksamkeit von Ezetimib in der Sekundärprävention bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (Herzinfarkt oder instabile Angina pectoris). Die Studie zeigte, dass die Kombination von Ezetimib und einem Statin (einem anderen Lipidsenker) im Vergleich zu einem Statin allein das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle um 16% reduzierte (Cannon et al., 2015).

Auch in einer Meta-Analyse von 26 Studien mit insgesamt über 170.000 Teilnehmern wurde die Wirksamkeit von Ezetimib in der Sekundärprävention bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass die Kombination von Ezetimib und einem Statin im Vergleich zu einem Statin allein das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse um 15% senkte (Navarese et al., 2015).

Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von Ezetimib

Ezetimib wird nach der Einnahme schnell und nahezu vollständig im Darm aufgenommen. Es wird hauptsächlich in der Leber verstoffwechselt und über die Galle ausgeschieden. Die maximale Wirkung wird innerhalb von 2 Stunden nach der Einnahme erreicht und die Wirkung hält für 24 Stunden an (Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 2021).

Der Wirkmechanismus von Ezetimib beruht auf der Hemmung des Proteins NPC1L1, welches für die Aufnahme von Cholesterin aus der Nahrung im Darm verantwortlich ist. Durch die Hemmung dieses Proteins wird die Aufnahme von Cholesterin aus der Nahrung reduziert und somit der Cholesterinspiegel im Blut gesenkt (Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 2021).

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Ezetimib wird in der Regel gut vertragen, jedoch können Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Durchfall auftreten. In seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen oder Leberfunktionsstörungen kommen. Bei Patienten mit Lebererkrankungen sollte Ezetimib daher mit Vorsicht angewendet werden (Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 2021).

Es ist wichtig zu beachten, dass Ezetimib Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben kann, insbesondere mit bestimmten Blutdrucksenkern und Blutverdünnern. Daher ist es wichtig, dass Patienten ihren Arzt über alle eingenommenen Medikamente informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden (Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 2021).

Fazit

Ezetimib ist ein wichtiger Wirkstoff in der Sekundärprävention beim Schlaganfall. Durch die Senkung des Cholesterinspiegels trägt es dazu bei, das Risiko für einen erneuten Schlaganfall zu reduzieren. Studien haben gezeigt, dass die Kombination von Ezetimib und einem Statin besonders wirksam ist. Es ist jedoch wichtig, mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen zu beachten und die Einnahme immer mit einem Arzt abzusprechen. Insgesamt ist Ezetimib ein vielversprechender Wirkstoff in der Neurologie, der dazu beitragen kann, die Folgen von Schlaganfällen zu reduzieren und die Lebensqualität von Patienten zu verbessern.

Quellen:

Cannon, C. P., Blazing, M. A., Giugliano, R. P., McCagg, A., White, J. A., Theroux, P., Darius, H., Lewis, B. S., Ophuis, T. O., Jukema, J. W., De Ferrari, G. M., Ruzyllo, W., De Lucca, P., Im, K., Bohula, E. A., Reist, C., Wiviott, S. D., Tershakovec, A. M., Musliner, T. A., & Braunwald, E. (2015). Ezetimibe added to statin therapy after acute coronary syndromes. The New England Journal of Medicine, 372(25), 2387-2397.

Deutsche Gesellschaft für Neurologie. (2021). Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: Lipidsenker. Abgerufen am 10.10.2021 von https://www.dgn.org/leitlinien/leitlinien-2020/lipidsenker

Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft. (2021). Schlaganfall. Abgerufen am 10.10.2021 von https://www.dsg-info.de/schlaganfall/

Navarese, E. P., Kolodziejczak, M., Schulze, V., Gurbel, P. A., Tantry, U., Lin, Y., Brockmeyer, M., Kandzari, D., Kubica, J., D’Agostino, R. B., Kubica, A., & Volpe, M. (2015). Effects of proprotein convertase subtilisin/kexin type 9 antibodies in adults with hypercholesterolemia: A systematic review and meta-analysis. Annals of Internal Medicine, 163(1), 40-51.

Johnson, C. D., Dowe, D. A., & Chalasani, N. (2021). Ezetimibe. In StatPearls [Internet]. StatPearls Publishing. Abgerufen am 10.10.